Mother! von Darren Aronofsky

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Mother! von Darren Aronofsky

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Sam Trautman
pipe-hittin' nigger
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Beitrag#1  06.01.18 - 15:28  Mother! von Darren Aronofsky Antworten mit Zitat

Vom Schmerz des Teilens

Am Anfang war das Feuer, aus dem Feuer entstand das Leben.
Ein Leben, eine Zweisamkeit welche jäh erschüttert wurde als die Menschen kamen
und das Teilen begann.

Darren Aronofsky ( The Wrestler )erzählt eine Geschichte des
Schmerzes und des Verlustes. Vom Schrecken der einseitigen Liebe, einstürzenden
Hoffnungen, untergehenden Welten und legt den Finger immer tiefer ins offene
Fleisch. In seinen besten Momenten kann Aranofsky ein Gemälde des Schreckens
erschaffen das einen Inne halten lässt und erschaudern. Mother! ist weniger
Unterhaltung, eher wie ein Besuch in einer Galerie: Man nimmt Platz. Vertieft
sich in das Gemälde und hält Inne, bis sich einem die ganze Herrlichkeit
offenbart. Aber man braucht Zeit, Geduld sehr viel Geduld.

Der Dichter ( Javier Bardem ) und seine Frau ( Jennifer
Lawrence ) bewohnen in der Abgeschiedenheit der Wildnis ihr zu renovierendes
Eigenheim, nach und nach passieren Dinge, die auf den ersten Blick seltsam
erscheinen. Nach Deutung der Symbolik aber in etwas verwandelt werden können
das ganz nah beim Menschen selbst zu finden ist. Ein Gefühlszustand der für
jeden erfahrbar ist, vielleicht schon mal harte Realität war. Als der Dichter
einen Gast zum übernachten herein bittet und daraufhin immer weitere Leute sich
ins Haus einquartieren, schrillen bei dessen Frau schon die Alarmglocken. Die
Vorboten des Horrors die im grandiosen Finale in einem abartigen Overkill die
Hölle über die Frau des Dichters hereinbrechen lässt. Wobei der Horror nur
wenig mit Blut oder von ihm verschmierte Gesichtern zu tun hat. Er spielt sich
woanders ab. Im Kopf bei der Rückkopplung der Gedanken beim Zuschauer.
Aranofsky zeigt wie Gefühle aussehen müssten wenn man sie auf eine Leinwand
packen könnte. Die passenden Bilder fürs Poesie Album der Ohnmacht. Worte als
Bilder. Unfassbar seine finale Zuspitzung der Dinge.

Nur ohne das Inne halten, ohne die Lust am entschlüsseln der
Deutung bleibt Mother! Ein wirres Machwerk ohne wirklichen Zusammenhang. Erst
das dechiffrieren der Ereignisse führt zu Erkenntnis das da monströses Kino
geschaffen wurde. Beim Versuch die Ding zu entschlüsseln bleiben Spoiler nicht
aus. Wer den Film nicht kennt sollte unbedingt folgende Reihenfolge beachten:
Erst Film dann weiterlesen. Der Dichter ist ein Egoist. Einem dem es nicht
genügt was er hat und nach so viel mehr giert. Ein Welteneinreiser.

Du liebst es das ich dich liebe

Die ungebetenen Gäste am Anfang symbolisieren nichts anderes
als das Teilen des Ehemanns, welches seiner Frau so missfällt. Der Ruhm den ihm
sein Schreiben eingebracht hat ist Teil seiner Persönlichkeit geworden. So darf
man die ungebeten Gäste weniger als Personen , sondern als Symbol des Teilens
sehen, später auch als Abspaltung von ihr nachdem sie ihm „Inspiration genug“
war. Sie genügt ihm nicht alleine, der Ruhm, die Anerkennung das sind die Dinge
mit denen sie nicht konkurrieren kann. So ist es auch nicht verwunderlich als
der Dichter sagt: Die Leute sie können mich wirklich verstehen. Und sie darauf
erwidert „aber ich liebe dich“. Anerkennung und Ruhm sind der Motor des
Dichters, sie ist nur die Inspiration.

Immer wieder sieht man im voranschreiten der Geschichte, im
Haus merkwürdige Risse aus denen Blut herausquillt. Die Frau des Dichters hat
den beiden ein Reich geschaffen, ein zu Hause . Je mehr ihr Mann sich entfernt
und sich dem Ruhm hingibt je mehr Risse bekommt das Haus. Das Haus als Seele.
Die Seelenwelt der Jennifer Lawrence.Noch expliziter wird es im finalen Akt als
hundert von Menschen das Haus in Schutt und Asche legen und alle in die Brüche
geht. Alles stirbt. Alles. Mit dieser radikalen Art des Films setzt Aranofsky
die Seelenwelt frei. Immer weiter entfernt sich ihr Mann von ihr. Ihr Haus wird
in Trümmern gelegt, das Haus das Heim, die Beziehung der beiden. Alles schwarz
und grau und zerstört. Und das ist der Moment. Hier angekommen wird das
Bild,welches Aranofsky zeichnet zum Meisterwerk. Ohne diese Deutung und einem
Interesse des Nachdenkens beim Schauen bleibt mother jedoch wohl nur ein
gewöhnliches Bild.


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Sam Trautman ist zurzeit offline 
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EZR
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Beitrag#2  07.01.18 - 15:29   Antworten mit Zitat

Interessant, wie du den Film deutest.

Spoiler: 
Meiner Meinung nach (und so sahen das eigentlich auch alle, deren Meinungen ich bisher dazu lesen konnte) übernimmt der Film nämlich wenig subtil das biblisch-ökologische Motiv aus Noah. Javier Bardem = Gott; Jennifer Lawrence = MUTTER Natur (am Anfang und Ende und wahrscheinlich etliche Male zuvor und in Zukunft vom gescheiterten Gott erschaffen); Das Haus = die Erde; Michelle Pfeiffer = Eva; Ed Harris = Adam (Rippe); die beiden Söhne = Kain und Abel; und die Menschen, die gierig das Haus auseinandernehmen, Lawrences Kind (Jesus) töten und buchstäblich Krieg im Haus führen, sind eben die Menschen.


Während ich den Film wirklich gut gemacht fand, fand ich die ganze Symbolik völlig überladen und mit dem Holzhammer reingekloppt. Von daher überrascht mich, dass du das komplett ausblendest. Finde ich aber gut, dass das ganze auch auf der Ebene funktioniert (wahrscheinlich auch ein bisschen autobiografisch). Hätte Aronofsky nur mal den ganzen Bibel-Kram ein bisschen subtiler verpackt.

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Sam Trautman
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Beitrag#3  07.01.18 - 20:53   Antworten mit Zitat

Ich hab den Film gesehen und bin dann auf diese Art der Deutung gekommen. Danach hab ich dann überall gelesen das es die Bibelgeschichte is. Wenn man es dann so betrachtet dann stimmt es natürlich, vor allem weil es wie ich gelesen hab der Regisseur es auch so wollte. Aber für mich funktioniert die Deutung immer noch und er hat perfekt die Bilder zum Gefühl des Verlusts auf die Leinwand gebannt. Den Film Noah von ihm fand ich dagegen sehr schlecht. War sehr positiv überrascht das er mit so einem guten Film mich wieder überraschen konnte.i

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