[Review] Faster, Pussycat! Kill! Kill!

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[Review] Faster, Pussycat! Kill! Kill!

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innominate
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Beitrag#1  17.04.07 - 10:58  [Review] Faster, Pussycat! Kill! Kill! Antworten mit Zitat

Ein Review zu diesem Film passt finde ich ganz gut in dieses Forum, da er sicher nicht ganz spurlos an Tarantino vorbei gegangen ist.

Faster, Pussycat! Kill! Kill!

Thriller, USA 1965
Regie: Russ Meyer
Drehbuch: Jack Moran, nach einer Story von Russ Meyer
Kamera: Walter Schenk
Musik: Igo Kantor
Produzent: Russ Meyer
Darsteller: Tura Satana, Haji, Lori Williams, Stuart Lancaster, Paul Trinka, Susan Bernard u.a.

Story:
Die drei Go-Go-Tänzerinnen Varla (Tura Satana), Rosie (Haji) und Billie (Lori Williams) haben genug von ihrem Job und den lüsternen Männern. Sie hauen mit ihrem Auto in unbestimmte Richtung ab. An einer Tankstelle erfahren sie von einer Ranch und einem dort lebenden alten Sack mit viel Geld. Die drei beschließen dort unter einem Vorwand hinzufahren und den Alten auszunehmen. Dieser lebt auf seinem "Anwesen" zusammen mit seinen zwei Söhnen. Die Männer sind zunächst erfreut über den Damenbesuch, doch bald merken sie worauf es die Frauen wirklich abgesehen haben und um an ihr Ziel zu kommen auch vor Mord nicht zurück schrecken...

Filmbesprechung:
Ich habe mal nicht den deutschen Video-, bzw.- DVD-Titel angegeben, denn der hört sich wirklich selten dämlich an, obwohl sich deutsche Titelgeber in der Filmgeschichte oft skurrile Sachen einfallen haben lassen. Aber wer sich Die Satansweiber von Tittfield ausgedacht hat, muss entweder viel oder gar keine Phantasie besitzen.
Der Film jedenfalls gilt zu recht als Wegbereit für viele ähnlich gelagerte Exploitation-Filme wie Switchblade Sisters (1975) von Jack Hill, in denen Frauen die Hauptfiguren spielen und Männern in Sachen Gewaltbereitschaft in nichts nachstehen. Der Film entstand noch bevor die Emanzipationsbewegung Ende der 60er Jahre richtig los ging und hat zu dieser Bewegung auch viel beigetragen, sagt man sich zumindest. In den 90er Jahren erlebte er in der lesbischen Szene eine große Renaissance. Nun bin ich weder eine Frau noch lesbisch, kann also nicht beurteilen wie viel der Film wirklich für die Frauenbewegung getan hat oder er in lesbischen Kreisen wirklich bedeutet. Jedoch würde ich nicht sagen, dass der Film feministisch ist. Genauso wenig wie Kult-Regisseur Russ Meyer Feminist war. Bekannt wurde der ungekrönte Busen-König durch seine billig produzierten Sexfilme, die er meist mit Frauen mit großen Brüsten besetzte. Filme wie Vixen (1968), Supervixens (1975) und Megavixens (1969; im Original Cherry, Harry and Raquel, also keine Vixen-Triolige) sind Filme mit viel Sex, aber auch Gewaltszenen. Seine Werke, die damals als Pornographie galten heute aber höchstens noch als Softcore bezeichnet werden können, werden auch Sex & Crime-Movies genannt oder mit dem Fachausdruck Sexploitation betitelt. Er revolutionierte den Sexfilm und sein Einfluss auf die Darstellung von Nacktheit und Sex im Medium Film war ohne Zweifel enorm. Vixen hat eine Szene, in der eine Frau eine andere verführt. Zwar wird der Sex zwischen den beiden nur angedeutet, aber wie sich die beiden Frauen berühren ist sehr erotisch und lesbische Liebe so offen gezeigt war damals neu. Es sollte nicht Meyers einzige Lesbenszene in seinen Filmen bleiben, was seinen Bekanntheitsgrad in der gleichgeschlechtigen Frauenbewegung festigte. Mit Der unmoralische Mr. Teas (1959), sein erster Spielfilm, drehte er einen Nudistenfilm, der sich von anderen zu dieser Zeit aber abhebte aufgrund seines Humors. Es geht um einen Mann, der gerne Frauenbrüste betrachtet - wie Meyer zu Lebzeiten (er starb am 18. September 2004 als sicher glücklicher Mann) selbst. "Wenn ich mich nicht so sehr für Busen interessiert hätte, hätte aus mir vielleicht ein großer Filmemacher werden können.", sagte Meyer einmal.
Und genau diese Vorliebe für Frauenbrüste und die Tatsache, dass er diese auch gerne und oft in seinen Filme zeigte, hat zur Folge das seine Filme vor allem von Männern gesehen werden - und eben nicht von Frauen. Und das ist eine Tatsache. Daher kann ich persönlich in ihm keinen Mann sehen, der die Emanzipation der Frau forderte. Sicher, die Männer in vielen seiner Filme und ganz besonders auffallend in Faster Pussycat! Kill! Kill! werden als armseelige Würstchen oder geile Böcke da gestellt und die Frauen sind ihnen in vielerlei Hinsicht überlegen. Gerade der Muskelprotz unter den Söhnen des Alten ist der hirnloseste von allen. Aber, und so viel sei auch Leuten die den Film noch nicht gesehen haben verraten, am Ende müssen sie für ihr Verhalten auch bezahlen.

Von der Diskussion, was in diesem Film nun emanzipationistisch ist und was nicht abgesehen, ist der Film aber ein Höchstgenuss auf B-Movie- Niveau. Ein großes Vergnügen mit allen Zutaten, die ein guter Exploitation-Film braucht: Gewalt, Action, coole Musik, Witz und Sex. Letzteres fällt in Faster, Pussycat! Kill! Kill! zwar im Vergleich zu den meisten anderen Filmen von Meyer eher weniger durch nackte Tatsachen auf (mit einem nackten Rücken muss man(n) sich hier begnügen), aber wie sich die Damen benehmen ist schon sehr reizvoll. Vom Aussehen her spricht mich zwar die blonde und tanzwütige Billie eher an, aber die Anführerin Varla macht ihr toughes Verhalten durchaus auch sexy. "I never try anything. I just do it." sagt sie und bricht ohne Probleme einem ihr von der Statur eigentlich nicht unterlegenen Mann das Genick. Dargestellt wird Varla von Tura Satana, die japanischer, halb cherokee-indianischer Herkunft ist und durch ihre äußere Erscheinung die Idealbesetzung für die dunkle Anführerin ist. Satana hat durch diesen Film auch einen gewissen Kultstatus unter Fans erreicht. Zu Beginn ihrer eher mageren Karriere war sie zu sehen als mehr oder weniger Statistin in den Hollywood-Produktionen Das Mädchen Irma la Douce (1963) mit Jack Lemmon sowie Shirley MacLaine und Wer hat in meinem Bett geschlafen? (1963) mit Dean Martin. Der einzige Film in dem sie noch eine große Rolle spielte war 1968 in der Trash-Granate Astro-Zombies.

Faster Pussycat! Kill! Kill! ist handwerklich sehr gut gemacht, was man von den meisten Meyer-Filmen behaupten kann (jedenfalls ich von denen, die ich bisher gesehen habe). Man merkt dem Film in seinen ausgefallenen Kamerawinkeln, Detailgenauigkeit in der Inszenierung und Kameraarbeit allgemein einen gewissen Perfektionismus an. Meyer setzte auf Kamerastellungen oft aus einem sehr tiefen Blickwinkel, um die Darstellerinnen noch voluminöser, größer oder bedrohlicher wirken zu lassen. Rasante Schnittfolgen geben dem Film ein hohes Tempo. Er befindet sich sogar im Archiv des New Yorker Museum of Modern Art. Russ Meyer hatte recht mit seiner weiter oben bereits zitierten Aussage, dass aus ihm ein großer Filmemacher hätte werden können. Aber ich bin nicht traurig, dass er es nicht geworden ist.

zuerst erschienen auf baum.brennt.de.vu
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Max_Cherry
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Beitrag#2  18.04.07 - 13:07   Antworten mit Zitat

Faster Pussycat, Kill Kill
Bei Weitem nicht so gut, wie Motorpsycho. Der Film plätschert so vor sich hin und zeigt brutale Frauen und eine durchgeknallte Familie, das klingt aber besser, als es im Endeffekt ist. Der Streifen hat seine Momente, ist aber im Grunde nicht mehr als ganz ok 6,5/10


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Beitrag#3  18.04.07 - 16:50   Antworten mit Zitat

"Motorpsycho" ist sicher nicht schlecht, aber man merkt ihm an, dass er ein Schnellschuss war. Die Story finde ich ist etwas flach und er ist meiner Meinung nach auch nicht so gut inszeniert wie "Faster ...". Unterhaltsam isser aber auf jeden Fall.

Motorpsycho: 6,5/10
Faster Pussycat, Kill! Kill! 8,5/10

edit: Zugegeben, die Story von "Faster ..." gibt jetzt auch nicht so viel her. Aber wie schon geschrieben, ist er Inszenatorisch meiner Meinung nach besser.


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Beitrag#4  18.04.07 - 18:39   Antworten mit Zitat

Ich muss sagen, dass mich Faster Pussycat! Kill! Kill! durchaus überzeugt hat. Warum genau kann ich nicht sagen; aber da ich selbst abundzu mit meiner Cam unterwegs bin, haben mich vorallem die Kameraeinstellungen überrascht, sie tragen sehr zum Gesamtbild des Filmes bei.

Es war mein zweiter "Meyer" und es hat sich aufjedenfall gelohnt.

Hoffentlich zeigt Arte weitere Werke Meyers. Die DVDs kaufen will ich nicht unbedingt.

Mfg tim


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Beitrag#5  18.04.07 - 18:51   Antworten mit Zitat

Zitat timcky hat Folgendes geschrieben:
...aber da ich selbst abundzu mit meiner Cam unterwegs bin, haben mich vorallem die Kameraeinstellungen überrascht, sie tragen sehr zum Gesamtbild des Filmes bei.


Ja, das meinte ich auch in meiner Filmbesprechung mit "handwerklich sehr gut gemacht". Die Kamerawinkel und die Schnitte sind teilweise genial.


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Beitrag#6  19.04.07 - 11:08   Antworten mit Zitat

Für alle die es interessiert:

Heute kommt im ZDF dokukanal um 0:00 Uhr eine Doku: SEX, GEWALT UND AUTOS: RUSS MEYER. Ein Halbstündiges Porträt über den Regisseur.


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vega brother
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Beitrag#7  19.04.07 - 16:41   Antworten mit Zitat

Danke für den Tipp. Wär mir sonst entgangen...

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